KrimiMeldungen 27122019, 07.20 Uhr

Nachrichten:

Der Deutsche Krimipreis
Der (nicht dotierte) Deutsche Krimipreis geht in diesem Jahr in der Kategorie „National“ an Johannes Groschupfs „Berlin Prepper“ (Suhrkamp), Regina Nösslers „Die Putzhilfe“ (konkursbuch) und Max Annas‘ „Morduntersuchungskommission“(Rowohlt).
Kategorie „International“
1. Platz: Hannelore Cayre: „Die Alte“ (Argument/Ariadne)
2. Platz: Dror Mishani: „Drei“ (Diogenes)
3. Platz: Denise Mina: „Klare Sache“ (Argument/Ariadne)

Printmedien online:

Stefan Fischer auf www.sueddeutsche.de
Verlorene Töchter, verwischte Gesichter
„Wenn sich die Raststätte als Eingangstor zur Hölle entpuppt: Joseph Incardonas Kriminalroman „Asphaltdschungel“ entdeckt die Unterwelt der Autobahn.“

Ulrich Rüdenauer auf www.stuttgarter-nachrichten.de
Die Hölle ist ein Kinderheim
„Brillante Sozialstudie: Paulus Hochgatterer blickt in seinem klugen Krimi „Fliege fort, fliege fort“ hinter die Kulissen einer Kleinstadtidylle.“

Katharina Granzin auf taz.de
„Wir kriegen das in den Griff“
Berliner Krimibuchladen Hammett
Ein Gespräch mit Christian Koch vom Kreuzberger Krimibuchladen Hammett über spannende Geschäftssituationen, Krimikunden – und Hunde.

Radio und Fernsehen:

blog.wdr.de/nollerliest
Ende 19: Das eine oder andere Buch des Jahres

Stefan Maelck auf www.mdr.de
Wer Krimis mag, wird „Hotel Cartagena“ lieben

Insa Wilke auf www1.wdr.de
Wilde Detektive und artige Spione
„Spannung – die ist fürs Lesen unabdingbar. Gutenbergs Welt begibt sich auf deren ureigenes Feld, nämlich unter Detektive und Spione.“

Literaturblogs und Literaturplattformen:

Dietmar Jacobsen auf literaturkritik.de
Fischfang auf Ibiza
„Seine sechste Mission führt Martin Suters Held Johann Friedrich von Allmen ins Heckwasser eines millionenschweren Zuchtkarpfens“

Sonja Hartl auf www.deutschlandfunkkultur.de
Macht eine Waffe zum Mörder?
Fuminori Nakamura: „Der Revolver“

Krimiblogs:

krimikiste
1914: Interview mit Raquel Erdtmann (Braunschweiger Krimifestival)
1913: Matthew Costello & Neil Richards: Mydworth – Bei Ankunft Mord
1912: Eva García Sáenz – Das Ritual des Wassers
1911: Stefanie Koch – Kommissar Lavalle. Die Karte des Todes
1910: Ruth Ware – Der Tod der Mrs Westaway
1909: Jessica Fellowes – Die Schwestern von Mitford Manor. Gefährliches Spiel
1908: Jessica Fellowes – Die Schwestern von Mitford Manor. Unter Verdacht
1907: Max Annas – Morduntersuchungskommission
1906: Taylor Adams – No Exit
1905: Allen Eskens – Die Schatten, die wir verbergen
1904: Mattias Edvardsson – Der unschuldige Mörder

krimirezensionen
Alfred Komarek | Polt muss weinen Bd. 1
Wolf Haas | Auferstehung der Toten Bd. 1
Alex Beer | Der zweite Reiter Bd. 1
Günther Pfeifer | Das letzte Achtel Bd. 9
Adventsspezial Österreich | Geistbeitrag der Autorin Ellen Dunne

krimi und mehr
Volker Klüpfel, Michael Kobr – DRAUSSEN
»Bei Ankunft Mord« von Costello/ Richards
The Beautiful Ones – Prince & Dan Piepenbring
Lametta, Lichter, Leichenschmaus – 24 Weihnachtskrimis
Sonja Kindler – Im Schwarzwald geht der Tod um
Petra Johann – Die Entführung

crimenoir
Clementine Skorpil: Max Leitner, Ausbrecherkönig

Krimi-Kritik
Robert E. Dunn – Dead Man’s Badge
Dominik Osswald – Schneisen

krimilese
Trouble nach den Troubles: Gestrandet von Anthony J. Quinn

zeilenkino
Über „Die Putzhilfe“ von Regina Nössler
Women in Crime: „Sie kam zu spät“ von Mary Wings

Krimikritik: Regina Nössler – Die Putzhilfe

Es gibt einfache Wahrheiten. Das gegenwärtige Leben kann man nur verstehen, wenn man die Vergangenheit einschließt. Unsere Zukunft bauen wir auf dem Vergangenen.
Auch wenn wir diese abgedroschenen Sätze zu Genüge kennen, veralten werden sie nie. Nicht nur Historiker finden in ihnen ihre Daseinsberechtigung, auch das individuelle Verhalten wird durch eine Rückschau auf vergangenes Leben erklärbarer. Die Vergangenheit ruht nicht, schon gar nicht, wenn in ihnen die dunklen Stellen unseres Lebens liegen.
Sie spuken in unseren Köpfen und spülen unsere Ängste hoch, insbesondere, wenn sich Menschen durch eine Schuld belastet fühlen. Umso kürzer die Zeitspanne des auslösenden Ereignisses ist, umso mehr wird die Angst zum alltäglichen Begleiter.

Schuld haben alle drei Protagonistinnen in Regina Nösslers Krimi „Die Putzhilfe“ auf sich geladen.
Da ist die dreiunddreißigjährige Franziska Oswald, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann in Berlin strandet. Die Angst, entdeckt zu werden, sitzt ihr im Nacken. Schon früh fragt sich die Leser/in, warum sie diesen für sie demütigen Weg wählte, um aus ihrem idyllischen Leben auszubrechen.
Zufällig lernt sie im Museum die fünfzigjährige Henny Mangold kennen, die ihr voller Sympathie eine Putzstelle in ihrem Haushalt anbietet. Auch diese Frau hat Schuld auf sich geladen, ihr Verhalten gibt Rätsel auf und wird erst klarer, als die gegenwärtige Nötigung ans Licht kommt.
Und da ist noch Sina, ein fünfzehnjähriges Mädchen, das gern mit ihren Fäusten austeilt, weil sie Langeweile und Wut nicht aushalten kann. Franziska lernt dies auf schmerzhafte Weise kennen. Auch dieses Mädchen ist von Schuld belastet, fürchtet aber eher die Strafen aus ihrem Umfeld als schlaflose Nächte.

Die wenigen Außenkontakte, die Franziska hat, bewegen sie, das Mädchen Sina in ihre Wohnung einzuladen. Nach und nach freunden sich beide an. Das ist ungewöhnlich für Franziska, die sonst zurückhaltend bis ablehnend agiert.

In ihren Gedanken verhält sich Franziska zu ihrer Arbeitgeberin ablehnender als sie das tatsächlich zeigt. Innerlich rechtfertigt sie solche Diskrepanzen, indem sie meint, auch in der Vergangenheit sei sie immer um einen guten Eindruck bemüht gewesen.
Aber die dienende Rolle, die sie vordergründig aus Geldgründen gezwungen ist, einzunehmen, gefällt ihr immer weniger. Und als nach Monaten ihre unterschwellige Angst abnimmt, schiebt sich die Frage nach ihrer Identität mehr und mehr in den Vordergrund und verleitet sie zu einem fatalen Fehler. Vor allem fehlt ihr das akademische Milieu, in das sie sich in ihrem alten Leben eingerichtet hatte, sie, die promovierte Soziologin mit dem Wunsch nach einer Professur und einem aufgebauten Elitebewusstsein, für das sie nach ihrer Meinung nach hart gearbeitet hatte.

Die Wahrheit steht auf einem anderen Blatt. Da die Autorin ihren Roman aus der Perspektive der drei Protagonistinnen erzählt, stehen für die Leser/in die Wahrnehmungen und Gewissheiten fest auf dem Boden der Tatsachen. Flankiert von den Berichten der Bezugspersonen, die sie umgeben oder umgeben haben. Dadurch wird der Eindruck erweckt, die Wahrnehmungsebene deckt sich mit der Realität. Das ist raffiniert, sehr stimmig und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit erzählt. Als Leser/in muss man die ganze Zeit gegenarbeiten, um nicht diesem Sog zu verfallen.
So wie wir uns auch hüten müssen, die Wahrnehmungsverzerrungen, denen wir alle unterliegen und die unser Handeln bestimmen, nicht ab und an zu hinterfragen. Manchmal bekommen wir noch wie in diesem Fall eine Aufklärungshilfe, manchmal aber auch nicht.
Große Begeisterung!

Henny Hidden

KrimiMeldungen 02.12.2019, 14.42 Uhr

Nachrichten:

www.deutschlandfunkkultur.de
Provinz, Putzhilfe, Privatschnüffelei
Krimibestenliste Dezember 2019

Printmedien online:

Sylvia Staude auf www.fr.de
„Hitze“ von Garry Disher: Ein Fachmann vom Scheitel bis zum Dietrich
„In „Hitze“ soll Garry Dishers Meisterräuber Wyatt ein kostbares Gemälde stehlen“

Christina Böck auf www.wienerzeitung.at
Krimiautor John Connolly weiß, Katzen schlachtet man nicht
„Als Experte für Angst war Connolly in Wien und spricht im Interview über die Hierarchie von Krimiopfern und irischen Aberglauben.“

Hanspeter Eggenberger auf www.tagesanzeiger.ch
Eine lächelnde Leiche in einem leer stehenden Hotel
„Ein Polizist aus Manchester, der drogensüchtig war und sich auch sonst über Gesetze hinwegsetzt, steht im Mittelpunkt von «Smiling Man» von Joseph Knox.“

Radio und Fernsehen:

hr-online.de
Sebastian Fitzek: Das Geschenk

www1.wdr.de
Jess Kidds fantasiereicher Roman spielt im historischen London
Jess Kidd – Die Ewigkeit in einem Glas

Tobias Gohlis auf www.deutschlandfunkkultur.de
Aufzeichnungen aus einer Kellerwohnung
Regina Nössler: „Die Putzhilfe“

Literaturblogs und Literaturplattformen:

CrimeMag Dezember 2019

Editorial Ausgabe Dezember 2019

Thomas Adcock: God’s Bad Boy
Frank Göhre: Erinnerung an Friedhelm Werremeier
Sonja Hartl: Ronan Farrow: „Durchbruch. Der Weinstein-Skandal“

Katja Bohnet: Hannelore Cayre „Die Alte“
Thomas Wörtche: Rätsel Ripley oder Ripley, revisited
Alf: Andrew Nette: Sticking It To The Man – Populärkultur und Revolution

Robert Rescue: Es muss schnell gehen
Markus Pohlmeyer: Serie „Chernobyl“
Zwei Stimmen: Constanze Matthes & Alf Mayer: Andreas Pflüger „Geblendet“

Hanspeter Eggenberger: NorthBrit Noir: Joseph Knox und Alan Parks
Peter Münder: Taschen-Band „200 japanische Holzschnitte“
Alf: Ken Krimstein: „Die drei Leben der Hannah Arendt“

Felix Hofmann: Das Planetenspiel. Eine Abrechnung
Wolf Eckart Bühler: Tod und Mathematik – Über Irving Lerner
Harun Farocki: „Night of the Hunter“

Joachim Feldmann: Sarah Schulman „Trüb“
Gerhard Beckmann: Mary Berg „Wann wird diese Hölle enden?“
Sonja Hartl über Dorothy B. Hughes

Fotografie & Reallife: Street Scenes – Street Crimes (17)
Constanze Matthes zum Buchmessen-Gastland Norwegen
Markus Pohlmeyer: Film „Joker“
Alf Mayer: David Whish-Wilson „True West“

Johanna van Gendern: KickAss – Genderwahnsinn
Christopher Moore: 2019 Short List Moore Prize
Peter Christian Hall: Einspruch zum Geschwister-Scholl-Preis

Peter Münder: Louis Begley „Killer´s Choice“
Krimi-Gedicht: Tom O’Bedlam

Bloody Chops:
Scott Adlerberg: Graveyard Love
Qiufan Chen: Die Siliziuminsel
Candice Fox: Missing Boy
Alexander Häusser: Noch alle Zeit
Uta-Maria Heim: Toskanisches Blut
Paulus Hochgatterer: Fliege fort, fliege fort
Sam Jaun: Die Brandnacht
Michaela Kastel: Worüber wir schweigen
Fuminori Nakamura: Der Revolver
Ian Rankin: Ein Haus voller Lügen
Andrew Shaffner: Hope Never Dies

Non fiction, kurz:
Hannes Brühwiler (Hg.): Hollywoods Schwarze Liste
Michael Caine: Die verdammten Türen sprengen
Barry Forshaw: Crime Fiction: A Reader’s Guide
Mario Kramp: Der Kölner Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1937
Chanel Miller: Ich habe einen Namen
Mittelweg 36: Lug und Trug
Andrea Noack: Die Bestie schläft
Volker Pantenburg (Hg.): Gerhard Friedl – Ein Arbeitsbuch
Dieter Thomä: Warum Demokratien Helden brauchen

Alf Mayer auf strandgut.de
Harry Bingham und seine Ermittlerin Fiona Griffith

DIETMAR JACOBSEN auf titel-kulturmagazin.net
Tod im Outback

Krimiblogs:

krimikiste
1896: P.D. James – Der Mistelzweig-Mord
1895: Brian Flynn – Die Morde von Mapleton
1894: Volker Klüpfel und Michael Kobr – Draussen
1893: Marc Raabe – Zimmer 19 (Buch und Audio)
1892: Mads Peder Nordbo – Eisgrab

krimirezensionen
Simone Buchholz | Hotel Cartagena Bd. 9

krimi und mehr
Helene Tursten: Sandgrab
Lars Schütz – Rapunzel, mein

crimenoir
John le Carré: Federball

Krimi-Kritik
Joseph Knox – Smiling Man

buch-haltung
ANTHONY J. QUINN – GESTRANDET